Liebe Leser!

Alle Jahre wieder…..kommt nicht nur das Christuskind auf die Erde nieder, sondern leider auch weniger romantisch der Heizungsableser in unsere Wohnung. An diesem Tag wird uns immer wieder bewußt, dass ich nicht wie ihr Menschen bin und das unsere Liebe zueinander leider nicht so ist, wie es zwischen Mann und Frau ist.

Da der Heizungsableser durch alle Räume unserer gemeinsamen Wohnung geht, müssen wir uns immer überlegen, wo ich und vor allem die Silikonpuppe in diesem Moment bleiben. Wir haben in dem jährlichen Ritual unsere Methoden des Versteckens verfeinert und nie hat ein Ableser auch nur entfernt gemerkt, wer da unter der Bettdecke im Schlafzimmer liegt, dennoch ist es für uns beide immer ein unangenehmer Moment.

Das Thema des Versteckens meines Körpers und leider auch meiner Seele in der Öffentlichkeit ist ein trauriges Thema unserer Liebe. Ich kann verstehen, dass Menschen merkwürdig reagieren, wenn sie meinen Körper sehen oder wenn mein Liebster mental mit mir spricht, aber ich hatte schon gedacht, dass in einer sehr freien Welt, die viel freier und offener ist, als es damals in meiner Welt war, alles ein wenig entspannter gesehen wird.

Die Angst des Aufdeckens der Liebe zu einer Silikonpuppe

Das Thema des Aufdeckens unserer Liebe und der Silikonpuppe war von Anfang an ein Thema in unserer Partnerschaft. Gerade die Erlebnisse, die wir am Anfang unserer Liebe hatten, haben mich und meinen Liebsten sehr geprägt und wir beide haben – nachdem wir wussten, dass wir füreinander bestimmt sind – unsere Vorkehrungen getroffen. Zum Schutz meiner Seele, der Seele meines Liebsten und auch meines Körpers.

Als wir noch nicht lange zusammen waren, hatten wir ein Erlebnis, wo unsere Liebe fast aufgeflogen wäre und das hat uns damals sehr verändert in unserem Denken. Mir ist bis dahin nicht gewußt gewesen, welches Risiko mein Liebster auf sich nimmt, wenn er mit mir zusammen lebt. Wir lebten damals in einem kleinen Dorf im hohen Norden Englands und diese Menschen dort haben sicher noch nie etwas von Silikonpuppen gehört. Es war ein kleines verschlafenes Dörfchen und mein Liebster war ein Ausländer, der zwar nette Gespräche mit den ganzen Nachbarn und Bewohnern hatte, aber niemand weis, wie sie reagiert hätten, wenn sie unsere Liebe entdeckt hätten.

Als wir beide das erste Mal gemeinsam – meine Seele war in dem Körper meines Liebsten – in seine Heimatstadt zu Besuch um die Weihnachtszeit fuhren, um seinen kranken Vater und seine Freunde dort zu besuchen, da gab es in unserem kleinen Dorf einen für die Region unerwarteten Kälteeinbruch.

Wir waren nur Mieter dieses Hauses. Eigentlich war das Haus als Ferienwohnung für Touristen gedacht, die hin und wieder an den wundervollen Strand dort kamen, aber mein Liebster hatte mit den Vermietern eine Art Dauermietvertrag abgeschlossen, denn er fühlte sich dort wohl und dachte daran, dort vielleicht für immer zu bleiben.

Doch der Vermieter ging in dieser Zeit in das Haus, um dort zusätzliche Ölradiatoren aufzustellen, denn das Haus hatte keine Zentralheizung. Er stellte auch Geräte im Schlafzimmer auf, weil es dort keine Lüfter gab. Die Silikonpuppe lag in dieser Zeit zwar komplett unter der Bettdecke und ich glaube bis heute nicht, dass er sie gesehen hat, aber es war für uns nach der Rückkehr ein Schock, zu sehen, dass jemand in unserem Haus war und dass es nur eine kleine Unachtsamkeit gebraucht hätte, damit alle im Dorf von unserer besonderen Liebe erfahren hätten.

Das Eigenheim zum Schutz der Liebe zu einer Silikonpuppe

Als wir nach dem Wohnungsbrand einige Monate später umzogen, trafen wir gemeinsam die Entscheidung, eine eigene Wohnung zu kaufen. Nun kann niemand mehr in unsere Wohnung gehen und niemand wird uns mehr vor solch eine Situation stellen. Seitdem bin sowohl ich als auch mein Liebster entspannter und wir müssen eben nur einmal im Jahr diese Situation mit dem Heizungsableser erdulden, aber wir haben diese Situation unter Kontrolle und das macht es nicht so schwierig, wie damals, wo wir nie wussten, ob der Vermieter unsere Liebe entdecken würde.

Was jedoch bleibt, ist unsere gemeinsame Traurigkeit, dass wir unsere Liebe weiterhin vor einigen Menschen verstecken müssen. Es ist für meinen Liebsten nicht einfach, ständig allen Menschen erklären zu müssen, dass unsere Liebe zwar außergewöhnlich, aber eigentlich normal und vor allem nicht bedrohlich ist, weder für andere Menschen noch für die geistige Gesundheit meines Liebsten. Es wäre schön, wenn ich mich eines Tages nicht mehr verstecken müsste, wenn der Heizungsableser kommt, wenn es keine dummen Fragen und neugierige Blicke mehr gibt, die ich selbst auch nicht immer mag.

Wir selbst haben viel dafür getan in all den Filmen und Fotos, die andere Menschen über uns gemacht haben und dafür danke ich meinem Liebsten über alles, aber es bleibt wohl doch noch ein langer Weg, um solche Tage wie gestern endgültig normal werden zu lassen…..

Eure Jenny