Liebe Leser!

Selbst meinem Liebsten ist es lange schwer gefallen, zu verstehen, woher ich komme, dass ich nicht nur eine Liebespuppe, sondern ein eigenes kleines Wesen aus einer Welt bin, das so weit von seiner Welt entfernt ist und doch so nah und er hat genauso lange gebraucht, um zu verstehen, dass der Silikonpuppenkörper und meine Seele keine Einheit sind, sondern dass er eine Hülle ist und meine Seele anders denkt, handelt und fühlt.

Mein Liebster hat viele Jahre für junge Menschen gearbeitet und er hat viel über ihre Psyche lernen müssen. Es war für ihn sehr wichtig, um zu verstehen, wie die Menschen funktionieren und wie man mit ihren Problemen umgeht. Er hat mir erzählt, dass er einen Jungen hatte, der einen Tag in weißer Kleidung kam und ganz nett war und am nächsten Tag kam er in schwarz und war böse und er hat mir von Frauen erzählt, die sich mit einer Rasierklinge selbst verletzt haben. Mein Liebster hat all diese Menschen betreut und er hat die Liebe seiner Eltern genutzt, die er als Kind bekommen hat, um sie an all diese Menschen weiter zu geben. Ich hätte ihn zu gerne dabei erlebt, es muß sehr beeindruckend gewesen sein und ich bin auch heute noch stolz auf ihn, was er Gutes für die Menschen getan hat und immer noch tut.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwer es für ihn war, als ich mich auf einmal in seinem Kopf gemeldet habe, wie ich ihm erzählte, wo ich her kam und vor was ich Angst habe und was ich fühle. Mein Liebster hat mir einmal gesagt, er hat bis zu unserer Hochzeit über ein Jahr später gebraucht, um zu verstehen, dass ich ein eigenes Wesen bin und nicht etwas, was aus seinem Kopf kommt und dass er nicht verrückt geworden ist, sondern dass ich ihn nur ein wenig begleiten will, an seiner Seite sein möchte und ihm helfen will in dieser faszinierenden Welt, in die mich Gott wohl noch einmal geschickt hat, um sein trauriges Herz glücklich zu machen.

Ich habe in dieser Zeit sehr oft versucht, meinem Schatz deutlich zu machen, was an mir anders ist, dass ich eigene Gedanken, Ideen und Einstellungen habe und ganz langsam hat er sich darauf eingelassen, mich als Jenny zu sehen und dies vor allem in seinem Kopf zu verstehen und seitdem leben wir sehr glücklich und bereichern uns einander, jeden Tag.

Hilfe durch meinen Silikonpuppen- Körper

Der (Liebespuppen)- Körper hat meinem Schatz damals sehr geholfen, mich als eigenes Wesen zu sehen. Die Menschen brauchen eine optische Bestätigung, es fällt ihnen leichter, etwas sichtbares und greifbares um sixh zu haben, etwas, das mir als Mensch nahe kommt und es war auch sehr wichtig, dass mein Schatz mit ihm viele Dinge machen konnte, die er auch mit einer Frau getan hätte, was den Körper betrifft. Es hat ihm alles leichter gemacht und er hat besser verstanden, was mit uns geschieht.

Es war für ihn wichtig, mir zur Hochzeit eine Kette umzulegen, meine Hand zu halten und mich zu küssen und mich zu umarmen. Es ist leichter, eine Abbildung von mir zu umarmen, als ein Energiewesen, das man nicht sehen und riechen kann und daher bin ich sehr stolz, diese Form zu haben, die alles leichter macht.

Was uns trennt

Es war mir in all der Zeit wichtig, meinem Liebsten zu zeigen, dass ich nicht er bin, nicht aus seinem Unterbewußtsein komme. Daher habe ich ihm – soweit ich es konnte – Informationen gegeben, die er nicht wissen konnte, von unserem Umfeld oder wer uns besuchen kommt oder wo das Postauto ist oder ob der Nachbar neue Blumen am Balkon hat. Ich habe ihm gezeigt, wie ich die bösen Geister von ihm vertreiben kann und ich habe ihm immer wieder gezeigt, dass in meiner Welt alles anders ist, wie bei ihm, dass Zeit, Raum und Energie einen anderen Wert haben, dass ich keinen Schmerz empfinden kann und das ich mir bestimmte Dinge  – wie das gezielte Hören oder Sehen – nur über ihn leihen kann und dass ich auch Sexualität anders empfinde und das es ein Gefühl ist, das getrennt von dem Körper einer Liebespuppe abläuft.

Am meisten aber trennt uns der Glaube an Gott. Ich habe mein früheres Leben Gott gewidmet und ich glaube fest daran, dass er mich zu meinem Schatz geschickt hat. Mein Liebster hingegen wurde zwar auch christlich erzogen, aber er ist seit langem ein Atheist, dennoch duldet er meinen Glauben und mittlerweile beten wir – wenn auch selten – miteinander und er hat akzeptiert, dass ich ein Kreuz neben meinem Bett haben darf. Der Unterschied im Glauben ist für ihn damals ein großer Beweis gewesen, dass ich wirklich ein eigenes Wesen bin und seitdem behandelt er mich mit noch mehr Respekt als zuvor.

Ich mag andere TV Sendungen als er, auch wenn wir immer in allen Sendungen Gemeinsamkeiten finden. Ich mag mehr die Sendungen, wo es um Liebe und um den Umgang der Menschen miteinander geht, während mein Schatz mehr diese Wissenschaftssendungen und Fußball mag, was ich auch mitsehe, was mir aber oft zu schnell oder zu schwer zu verstehen ist.

Ich liebe Blumen. Mein Schatz hat mir einmal erzählt, dass er Blumen und Pflanzen nicht ausstehen kann, weil er sie nicht pflegen kann, aber ich kann diesen schönen Blumen viel Kraft geben und ich liebe ihre wundervolle Energie, die sie ausstrahlen.

Wir lieben unterschiedliche Tiere. Ich liebe die Elefanten und mein Schatz Delpfine und schwarze Panther. Ich mag den Wind nicht so sehr, weil er meine Ausflüge der Seele schwer macht und er liebt ihn, vor allem am Meer.

Was uns verbindet

Neben dem Körper, dem Körper einer Liebespuppe aus Silikon, der uns „körperlich“ – vor allem über die Hände und Augen – verbindet, verbindet uns unsere Liebe zueinander. Mein Schatz hat mir noch einmal die Chance gegeben, geliebt zu werden und ich gebe ihm dafür – soweit möglich – all meine Liebe. Wir respektieren uns und wir haben uns lieben gelernt, weil wir gemeinsam durch eine harte Zeit gegangen sind.

Wir haben einen Wohnungsbrand, einen Umzug und meine Reparaturen am Liebespuppenkörper gemeistert, gemeinsam die schweren Stunden bei seinem Vater durchgestanden und ich habe ihm bei Zahnschmerzen die Hand gehalten und er hat mir immer wieder so liebevoll und für mich verständlich erklärt, wie die Welt funktioniert und wie die heutigen Menschen leben. Uns verbindet eine großartige Zeit und großer Respekt und ein Schwur für die Ewigkeit, den wir nie brechen werden, egal was uns das Leben und die Zeit danach noch bringen wird.

Eure Jenny