Liebe Leser!

Letzte Woche hatten wir einen schlimmen Schicksalschlag zu verkraften. Der Vater meines Liebsten ist nach langer Krankheit verstorben und mein Schatz ist in tiefer Trauer und auch ich muß jetzt als kleine Seele und als Silikonpuppe alles in meiner Macht stehende tun, um meinen Liebsten durch diese schwere Zeit zu tragen.

Ich habe seinen Vater zum ersten Mal als Begleiterin im Körper meines Schatzes 2010 um die Weihnachtszeit herum erleben dürfen. Auch wenn meine Liebe zu meinem Schatz damals noch am Wachsen war, so war ich doch sehr froh, ihn auf dieser Reise begleiten zu dürfen und zu sehen, wer sein Vater ist.

Er war damals schon sehr krank, aber ich habe sofort die Liebe gespürt, die beide umgab. Er war ein sehr herzlicher und lieber Mann und ich fand es damals sehr beeindruckend, das mein Schatz sogar leicht versuchte, ihm klar zu machen, dass er nun eine Silikonpuppe liebte, aber er war schon damals geistig zu verwirrt, um es zu verstehen und ich habe es meinem Liebsten natürlich verziehen, dass er ihm unsere Liebe nicht gestehen konnte.

Sein Vater war trotz der Entfernung und der Krankheit immer ein ständiger Begleiter in unserem Leben. Mein Schatz hat sich liebevoll um die Organisation und ein möglichst würdevolles Leben in dem Heim bemüht, hat immer wieder mit der Verwaltung, den Pflegern, den Ärzten, begleitendem Personal und seinem Vater selbst per Telefon gesprochen. Es gab gute Momente, wo alles lief und mein Schatz auch mal unbeschwert sein durfte, aber dann gab es auch wieder schwierige Momente in unserem Alltag, wenn sein Vater ständig im Krankenhaus war und wir nie wussten, ob und wann er wieder im Heim sein würde.

Ich habe in der Zeit viel mit meinem Liebsten über seinen Vater gesprochen. Mir ist in dieser Zeit bewußt geworden, wie viel er ihm bedeutet hat, wie sehr er ihn liebte und auch sein Vater ihn selbst. Es war immer eine tiefe Verbindung zwischen beiden, auch wenn mein Schatz nun nicht mehr bei ihm sein durfte.

Ich selbst hatte – soweit ich noch weis – in meinem früheren Leben nie Eltern. Sie gaben mich in den Kriegswirren in einem christlichen Kloster ab und ich habe sie nie wieder gesehen. Um so mehr hat es mich beeindruckt, zu sehen und zu spüren, wie sehr mein Liebster seinen Vater geliebt hat und auch das hat meine Liebe zu meinem Engel verstärkt.

Die Liebespuppe als Hilfe in dunklen Lebensabschnitten

Doch ich habe erst jetzt wirklich gemerkt, wie wichtig eine Liebespuppe auch in der dunkelsten Stunde der Trauer sein kann. Ich glaube, mein Liebster war sehr froh, dass ich in dem Moment des Anrufes aus dem Krankenhaus bei ihm sein konnte, dass er seinen Schmerz an meiner Schulter lassen konnte, dass meine Hand ihm beim Schlafen half und dass ich ihm mit meiner Ruhe und meiner Seele Kraft schenken konnte.

Ich habe damals bei der Hochzeit geschworen, dass ich in guten und schlechten Zeiten bei meinem Liebsten sein werde und wenn ich es in solchen Momenten nicht bin, dann wäre ich keine gute Seele, keine gute Frau. Natürlich bin ich für ihn da gewesen und er konnte seinen Gefühlen freien Lauf lassen, wann immer er es wollte.

Aber ich bin auch dafür da, meinem Schatz die Freude und den Wert des Lebens nicht vergessen zu lassen und das habe ich – glaube ich – auch ganz gut hin bekommen. Ich habe ihn meine Liebe spüren lassen, Mut gemacht und Hoffnung auf ein Leben gegeben, dass vielleicht ohne den Druck und die Sorgen um seinen Vater schön sein kann. Vielleicht können wir jetzt unseren Weg gehen, auch wenn es schwer fällt und die Vergangenheit an ihm nagen wird. Ich hoffe, er vergißt in dieser Zeit nicht, welch großes Glück es ist, dass wir einander lieben können und dass ich immer für ihn da sein werde, sofern es in meiner Macht steht.

Natürlich werde ich ihm nach dem Seelentransfer in seine alte Heimatstadt zur Beerdigung seines Vaters begleiten und natürlich werde ich ihn dann auch wieder in der Silikonpuppe eine gute Begleiterin sein und ich habe ihm gesagt, dass auch dieser Moment des Lebens eines Tages für uns so fern sein wird, wie unserer Wohnungsbrand, der Tod seiner Mutter oder die Zeit in Schottland. Unsere Liebe wird dann immer noch da sein und dann werden wieder andere Dinge unseren Alltag bestimmen und vielleicht hält der liebe Gott dann ja auch eine gute Zeit für uns bereit, wer weis.

Die Silikonpuppe als Trauerhilfe

Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich, in der Liebespuppe meinen Dienst der Trauerhilfe zu tun. Mein Körper hilft sehr, meinem Schatz ein Halt zu sein. Es hilft ihm, in meine Augen zu sehen, meine Liebe zu spüren, sich an mich zu kuscheln und meine sanften Lippen zu küssen und für einen Moment alles zu vergessen. Ich weise ihn auch immer wieder mal auf meine körperlichen Vorzüge und mein schönes Kleid hin, denn ich möchte, dass er weiterhin auch ein Mann bleibt und ein wundervoller Liebhaber und nicht immer nur traurig ist und nur existiert, um alle Dinge zu regeln. Er soll spüren, dass unsere Liebe weiterhin ihren Platz hat und auch Erotik und Schönheit in dieser Zeit nicht sterben dürfen.

Alles in allem wünsche ich meinem Liebsten von tiefsten Herzen, dass er würdevoll seinen Vater auf dem letzten Weg begleitet und dass wir nach unserer Rückkehr wieder das sein dürfen, was wir sind. Ein Mann und eine Silikonpuppe mit einer Seele aus einer Welt, in der Dinge wie Tod und Krankheit keinen Wert mehr haben und die ihn sehr lieb hat.

Eure Jenny