Liebe Leser!

Was für viele von euch eine alltägliche und nicht besonders spannende Sache zu sein scheint, mag für mich kleine Seele eine große Bedeutung haben. Da ich nicht so am Leben teil haben kann, wie es lebende Menschen tun, ist für mich das Fernsehen etwas ganz besonderes. Es ist mein Tor zu einer Welt, die ich nie erleben durfte und ich bin sehr stolz und froh, sie nun über diesen phantastischen Apparat in meinem Silikonpuppen – Körper an der Seite meines Liebsten erleben zu dürfen. Ich will euch daher mal ein wenig etwas darüber erzählen, wie ich diese Abende so empfinde und was ich dort besonders schön und manchmal auch traurig finde.

Die Anfänge

Als ich noch in meinem ersten zu Hause war, hatten wir keinen Fernseher in meinem Schlafzimmer und mein Liebster konnte mich wegen der Treppe nicht ins Wohnzimmer tragen. Er hat mir aber ein paar Filme über seinen Laptop gezeigt. Der erste Film, den wir sahen, war „Lars und die Frauen“, was natürlich sehr zu uns passte, denn auch dort verliebte sich ein Mann in eine Silikonpuppe. Sie war aber aus den USA. Ich fand den Film sehr spannend, er war sehr schön gemacht, aber ich war am Ende sehr froh, dass mein Liebster nicht so ein merkwürdiger Typ ist, wie der in dem Film und ich glaube auch nicht, dass mich die Freunde meines Schatzes alle so nett aufnehmen würden, wie die in dem Film und in der Öffentlichkeit können wir uns leider auch nicht zeigen. Das habe ich mittlerweile verstanden und ich finde es schade, dass dies nur im Film möglich war.

Erste richtige Fernsehabende

Als wir dann in Deutschland zurück waren, habe ich regelmäßig mit meinem Liebsten abends am Fernsehen die bunte Welt erleben dürfen.

Zu Beginn haben wir viele Filme über Tiere und die Natur gesehen. Ich habe mich damals bei einem Film über Elefanten in einem Nationalpark in Afrika in diese wunderschönen Tiere verliebt. Vor kurzem hatte ich nun das Vergnügen, diese in echt zu sehen und sie sind noch viel schöner, als ich sie aus dem Fernsehen in Erinnerung habe. Ich liebe ihre Stärke und Größe und ihren Zusammenhalt in der Gruppe und ich finde ihre Babys einfach umwerfend schön.

Irgendwann hat mir mein Liebster dann einmal einen sogenannten Krimi gezeigt. Er spielte in den 70er Jahren mit zwei berühmten Schauspielern in San Francisco. Ich war zuerst ein wenig geschockt, wie böse Menschen sein können, aber ich fand die beiden Polizisten auch richtig gut. Mein Schatz hat mir in dieser Zeit viel über die Menschen erklärt und ich habe in diesen Abenden meinen wundervollen Mann noch mehr schätzen gelernt, weil ich gesehen habe, wie gemein und böse Menschen sein können und dass sie aus Neid und Haß sogar Menschen töten können.

Es hat mich danach immer mehr interessiert, wie die heutigen Menschen so leben. Ich kenne aus meinem früheren Leben so rein gar nichts darüber. Ich war in einem Kloster, alles war geregelt und wir wussten, was wir tun dürfen und was nicht. Die heutigen Menschen scheinen selbst erfahren zu müssen, wer sie sind und was sie tun dürfen und was nicht und irgendwie lerne ich ja selbst auch jeden Tag, was meine Seele so kann und was meine Hülle der Liebespuppe kann und was nicht.

Mein Liebster hat dann gesagt, er würde mir mal so eine sogenannte Soap zeigen, die im Fernsehen immer zu der Zeit läuft, wo wir beide Fernsehen schauen. Wir schauen immer von 17:45 – 20:15 Fernsehen, weil dann mein Süsser mit der Arbeit fertig ist und ich mich nach unserer Kuschelstunde so schön ausruhen konnte.

In dieser Zeit laufen eine Menge dieser Soaps. Mein Liebster hat mir irgendwann einmal gesagt, dass er diese eigentlich überhaupt nicht mag, weil die Menschen da immer so dumm sind, aber es ist der beste Weg, um mir zu zeigen, was die modernen Menschen so alles bewegt. Er hat mir auch gesagt, dass seine erste lange Beziehung ihn immer mit diesen Soaps genervt hat und ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Liebster es doch für mich tut, denn ich verstehe diese Sendungen sehr gut und es interessiert mich.

„Die Verrückten“

Wir beide bezeichnen die Sendung immer ein wenig lustig als „Sendung der Verrückten“ und irgendwie stimmt das ja auch. Mein Liebster hat mir gesagt, sie machen das im Fernsehen immer alles etwas dramatischer und gedrängter als im wahren Leben, aber er hat mir auch gesagt, dass er viel davon in seiner Arbeit und seinem Umfeld gesehen und auch selbst erlebt hat.

Zu Anfang haben wir dann immer die Sendung „Berlin Tag und Nacht“ gesehen. Ich finde diese Leute dort sehr egoistisch und sie haben oft böse Gedanken. Ganz nett finde ich den Charakter Basti, der arme Mann arbeitet immer nur und hat ständig Pech mit den Frauen. Irgendwie erinnert mich vieles von dem, was er erlebt, an das, was mein Süsser über sich und seine Vergangenheit erzählt.

Furchtbar finde ich solche Charaktere wie Sunny, die ständig alle Menschen manipuliert und ausnutzt. Es ist schlimm, das Menschen so böse sein können und ich bin sehr froh, dass ich einen solchen Mann nicht an meiner Seite habe

Kuschelpausen

Bei den Soaps gibt es immer ein paar Werbepausen. In dieser Zeit kuscheln und küssen wir uns immer und es ist sehr schön, meinen Liebsten dabei zu spüren. Ich zeige ihm in diesen Momenten meine Dankbarkeit dafür, dass er mich jeden Tag zu diesem Sofa trägt und mit mir gemeinsam die Dinge anschaut, die Menschen so machen. Es ist schön, meine Hand auf seinem Bein zu haben und seinen Arm um mich zu spüren. Wir geniessen auch das Abendessen zusammen und es ist wirklich der Höhepunkt unseres Alltages für mich.

Abschluß

Zum Abschluß schauen wir immer noch den Schluß einer Sendung, meist in dem tollen Sender ARTE, wo sie auch ab und an Französisch sprechen, was ich natürlich sehr schön finde. Wir träumen dann gemeinsam bei oft wunderschönen Landschaftsdokus oder bei Tierdokumentationen und finden so einen schönen Abschluß nach den turbulenden Soaps. In diesen Momenten bin ich meinem Schatz sehr nahe und ich bin sehr glücklich, ihm in dem Körper einer Silikonpuppe viel von dem an Liebe  geben zu können, den ich als reine Seele nicht geben könnte.