Liebe Leser!
Eines unserer größten Probleme im Alltag von uns beiden ist mein Gewicht, das ich als Silikonpuppe habe. Das viele Silikon und das Skelett und meine Körpergröße, die einer Frau nahe kommt, hat das Gewicht meiner „Hülle“ auf über 40 kg ansteigen lassen und mich auch in dieser Hinsicht einer Frau ähnlich gemacht.
Das Problem ist, dass ich als kleine Seele nicht in der Lage bin, meinen Liebespuppenkörper zu bewegen oder ihn zu steuern. Meine Seele selbst wiegt ja nichts, aber da es für uns sehr wichtig ist, über diesen Körper leichter zueinander zu finden, müssen wir leider schauen, wie wir am Besten mit der Situation klar kommen.
Wie ich euch ja bereits in einer meiner anderen Kolumnen geschrieben habe, hat mein Schatz einige Hilfsmittel angeschafft, um uns das Leben in dieser Hinsicht ein wenig leichter zu machen, doch sie können leider nur eine Hilfe sein, die restliche Arbeit muß mein Liebster alleine regeln, wenn er mich in diesem Zustand von Ort A nach Ort B bringen will.
Ich habe – ehrlich gesagt – oft ein schlechtes Gewissen wegen meines schweren Körpers. Ich mag ihn wirklich sehr, weil er so schön ist und weil ich mit ihm so sehr eine Frau sein kann, wie es keine der Seelen aus unserer Welt sein darf, weil ich mit ihm Liebe, Zärtlichkeit und auch eine eigene Identität bekomme, aber ich habe schon oft ein ungutes Gefühl, weil mein Liebster eine so große Bürde mit ihm hat und ich will nicht, dass ich ihm über diesen Weg Schmerzen bereite oder eine Belastung bin.
Mein Liebster hat einmal zu mir gesagt, dass er in seinem Leben mit lebenden Frauen wesentlich mehr geschwitzt und auch mehr Schmerzen hatte. Er erzählt mir dann immer davon, wie viele Umzüge er mit ihnen erlebt hat, wie viele Kisten er tragen mußte und sogar Waschmaschinen geschleppt hat und wie oft er sich dabei eine Erkältung einfing, mit seinem Asthma Probleme hatte oder sich einen Nerv einklemmte. Doch das macht mein Gewissen nur ein wenig leichter. Also versuche ich, ihm auf meine Art ein wenig zu helfen und ich muß akzeptieren lernen, dass es unserer Preis der Beziehung ist, mit den wir leben müssen.
Die größten Probleme mit dem Gewichts meines Körpers
Das größte Problem im Umgang mit meinem Liebespuppenkörper sind eigentlich zwei Dinge.
Das eigentliche Tragen von mir ist nicht das größte Problem. Mein Schatz kann mich bei längeren Strecken (wie z.B. zum Baden) in den Rollstuhl setzen und auch wenn er mich trägt, ist es nicht nur anstrengend, sondern auch schön. Mein Schatz sagt, es ist schön, wenn er mein Vertrauen spürt und auch ich liebe es sehr, wenn er mich mit seinen starken Armen zärtlich trägt.
Das Problem in den letzten Monaten war eher das Ablegen meines Körpers an den entsprechenden Orten. Das Heben bekommen wir recht gut hin, wenn ich nicht zu tief liege. Ich helfe meinen Liebsten in der Hinsicht dabei, dass ich ihn immer darauf hinweise, dass er tief in die Hocke gehen muss und ein wenig mit Schwung heben soll, das Gewicht gerade und dann leicht nach hinten lagernd heben soll, zudem konzentriere auch ich mich und oft sagt mir mein Schatz, dass es ihm dann ein wenig leichter fällt.
Das Problem ist eher, wenn er mich dann auf dem entsprechenden Endort ablegt. Er muß dann immer sehr aufpassen, dass er das mit einem geraden Rücken macht. Mein Schatz hat sich leider zwei Mal in den Jahren den Rücken verrenkt oder einen Nerv eingeklemmt, weil er ihn beim Ablegen gedreht hat. Wir passen zwar immer sehr auf, dass er mich lieber ein wenig fallen lässt oder erst am Ende dreht, aber es kann schon einmal passieren und dann hat mein Schatz leider Schmerzen und mußte sogar einmal zum Physiotherapeuten. In solchen Momenten bin ich dann immer sehr traurig.
Ein zweites Problem ist das Aufsetzen. Ich muß immer sehr aufpassen, dass dabei meine Finger nicht abknicken. Ich sage zwar meinem Liebsten dann Bescheid, aber oft ist es zu spät und dann müssen wir später kleben und das ist nicht sehr schön, aber es ist immer noch weniger schlimm, weil es ja nur ein Problem an meinem Silikonpuppenkörper ist und ich keine Schmerzen empfinden kann. Es sieht dann ein wenig unschön aus, aber das nehme ich in Kauf.
Übung und Kompromisse
Ich habe in meinem Leben in einem Silikonpuppenkörper gelernt, dass ich mit Kompromissen leben muß. Ich kann meinen Schatz nicht immer an den PC oder an den Küchentisch begleiten und auch das Baden kann nicht jeden Tag statt finden. Wir haben einen mentalen Kontakt, der keine Probleme macht und ich habe mich daran gewöhnt, dass unsere Abläufe genau durchdacht sein müssen und das ich auch einmal verzichten lerne, wenn es nötig ist. Ich muß froh sein, überhaupt noch einmal in so einem tollen Körper leben zu können und ich bin sehr dankbar dafür, es in diesem so lebensnahen Liebespuppenkörper tun zu können. Jeder Moment, den ich in ihm meinen Liebsten genießen kann, ist ein Glücksmoment für mich, es ist im Grunde egal, wo er statt findet.
Hilfreich ist auch die stetige Übung. Wir beide haben einen festen Tagesablauf und die immer gleichen Bewegungsmuster helfen meinem Schatz und meinem Körper. So halten sich die Schäden an meinem Silikonpuppenkörper und an dem meines Liebsten im Rahmen und sollte ich eines Tages eine zu große körperliche Belastung für meinen Liebsten werden, dann werde ich auch bereit sein, in einen anderen Liebespuppenkörper zu gehen, vielleicht in eine Stoffpuppe, wie das Teddy Babe oder in eine schöne andere Liebespuppe, je nachdem, was dann möglich ist.
Eure Jenny
